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Morgenlese · Nr. 36B2Mystery4 min

Der anonyme Spender

In this story
  • – Read a short story about mystery
  • – Learn 7 words
  • – Practice Konjunktiv I (indirect speech)
  • – Practice Passiv (passive voice)

ablehnen, der Umschlag, der Spender, der Antrag, die Verwaltung, verantwortlich, begrenzt

Tap any word you don't know.

Ein ganzes Jahr lang wurde an der Pforte des Kinderkrankenhauses am ersten Montag jedes Monats ein Umschlag gefunden. Darin lagen immer fünfhundert Euro und ein Zettel, sauber mit der Hand geschrieben. Gesehen wurde der Spender nie, obwohl die Pforte die ganze Nacht besetzt war.

Stationsschwester Jasmina Kovač erzählte später, auf den Zetteln habe immer genau gestanden, wofür das Geld gedacht sei. Einmal seien es Bilderbücher für die Kleinen gewesen, einmal neue Kissen für das Spielzimmer, einmal Eis für die ganze Station. Im Juni habe nur ein Satz auf dem Zettel gestanden: „Für den Fernseher in Zimmer zwölf, der seit Wochen alles grün zeigt.“

Damit wurde die Sache interessant. Dass der Fernseher kaputt war, wusste kaum jemand. Ein Antrag auf ein neues Gerät war zwar gestellt worden, doch die Verwaltung hatte ihn abgelehnt, wie fast jeden Antrag. Verantwortlich dafür war Herr Szymański, der Leiter der Verwaltung, der im ganzen Haus nur „der Rotstift“ genannt wurde.

Schwester Jasmina holte den abgelehnten Antrag aus ihrer Schublade und legte den Zettel daneben. Die Schrift war dieselbe, die sie von unzähligen Ablehnungen kannte: steil, sauber und ein wenig zu ordentlich. Nur die Tinte war diesmal blau statt rot.

Herr Szymański wurde ins Schwesternzimmer gebeten, wo schon die halbe Station wartete. Er erklärte, er wisse von nichts. Außerdem sei der Antrag völlig zu Recht abgelehnt worden, denn das Budget des Hauses sei nun einmal begrenzt. Dann sah er den Zettel und schwieg lange. „Das Budget des Hauses ist begrenzt“, sagte er schließlich leise. „Meins nicht.“

Seitdem werden die Umschläge persönlich an der Pforte abgegeben. Abgelehnt wird in der Verwaltung trotzdem weiterhin fast alles.


Grammar from this story

Konjunktiv I (indirect speech)

Konjunktiv I is used to report what someone else said, mostly in the news and in formal writing. It shows that you are only passing on the words, not confirming them. The common forms are for er/sie/es: stem + -e (er habe, sie komme, er könne, sie werde), and sein becomes sei. If a form looks the same as the normal present, use Konjunktiv II instead: Sie sagen, sie hätten keine Zeit.

er / sie / es: stem + -e (habe, komme, könne, werde) · sein → sei

From the story

  • Stationsschwester Jasmina Kovač erzählte später, auf den Zetteln habe immer genau gestanden, wofür das Geld gedacht sei.
  • Er erklärte, er wisse von nichts.
  • Außerdem sei der Antrag völlig zu Recht abgelehnt worden, denn das Budget des Hauses sei nun einmal begrenzt.

Common mistake

In news or formal writing, using the normal present instead of Konjunktiv I.

Der Minister sagte, er ist krank.

Der Minister sagte, er sei krank.

Passiv (passive voice)

The passive focuses on the action, not on who does it: Das Haus wird gebaut. It is built with werden in position 2 and the Partizip II at the end. In the past, use wurde: Das Haus wurde 1990 gebaut. With modal verbs, the end becomes Partizip II + werden: Das muss repariert werden.

werden / wurde (position 2) … Partizip II (end) · modal … Partizip II + werden

From the story

  • Ein ganzes Jahr lang wurde an der Pforte des Kinderkrankenhauses am ersten Montag jedes Monats ein Umschlag gefunden.
  • Gesehen wurde der Spender nie, obwohl die Pforte die ganze Nacht besetzt war.
  • Seitdem werden die Umschläge persönlich an der Pforte abgegeben.

Common mistake

Forgetting werden after a modal verb.

Das Auto muss repariert.

Das Auto muss repariert werden.

Words from this story

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7 questions about the story, its words and grammar.