Morgenlese · Nr. 56B2Work4 min
Der Streik
Foto: ahmetyuksek / Pixabay
In this story
- – Read a short story about work
- – Learn 7 words
- – Practice Passiv (passive voice)
- – Practice Konjunktiv I (indirect speech)
widersprechen, ausgerechnet, die Gewerkschaft, die Einigung, gefährden, abstimmen, unterbezahlt
Tap any word you don't know.
Am Montag um vier Uhr morgens blieben die Busse des Verkehrsbetriebs Waldtal im Depot. Die Gewerkschaft hatte zum Streik aufgerufen, und fast alle Fahrerinnen und Fahrer folgten. In einer Pressemitteilung hieß es, das Personal sei seit Jahren unterbezahlt, die Dienstpläne würden ständig kurzfristig geändert, und viele Kollegen seien schlicht erschöpft.
Die Geschäftsführung reagierte noch am selben Vormittag. Man verstehe den Ärger, erklärte Geschäftsführer Bernd Hollmann, doch für höhere Löhne fehle das Geld. Ein langer Streik gefährde außerdem das Vertrauen der Fahrgäste, und davon lebe schließlich das ganze Unternehmen.
Organisiert wurde der Streik im Vereinsheim des örtlichen Fußballclubs. Dort wurden Schichtpläne für die Streikposten an die Wand geheftet, Thermoskannen wurden gefüllt, und jeden Abend wurde abgestimmt. Auf Vorschlag von Zoran Ilić, dem Sprecher der Fahrer, wurde außerdem ein Notdienst eingerichtet: Schulkinder und ältere Menschen mit Arztterminen wurden weiterhin kostenlos gefahren.
Am dritten Tag sprang Hollmanns Auto nicht an. Er stand ratlos an der Haltestelle vor seinem Haus, als ausgerechnet der Notdienstbus hielt. Am Steuer saß Zoran Ilić. Er ließ ihn einsteigen, obwohl Hollmann weder ein Schulkind war noch einen Arzttermin hatte. Vierzig Minuten lang fuhren die beiden über Landstraßen, vorbei an Dörfern, in denen seit Tagen kein Bus gehalten hatte. Was dabei gesprochen wurde, weiß bis heute niemand genau.
Zwei Tage später wurde eine Einigung verkündet. Die Löhne würden schrittweise erhöht, hieß es, und die Dienstpläne künftig einen Monat im Voraus festgelegt. Ein Punkt sorgte allerdings im ganzen Tal für Gelächter: Der Geschäftsführer verpflichte sich, einmal im Monat in der Frühschicht mitzufahren, als ganz normaler Fahrgast. Hollmann habe selbst darauf bestanden, behauptete Ilić. Hollmann widersprach nicht.
Grammar from this story
Passiv (passive voice)
The passive focuses on the action, not on who does it: Das Haus wird gebaut. It is built with werden in position 2 and the Partizip II at the end. In the past, use wurde: Das Haus wurde 1990 gebaut. With modal verbs, the end becomes Partizip II + werden: Das muss repariert werden.
werden / wurde (position 2) … Partizip II (end) · modal … Partizip II + werden
From the story
- Organisiert wurde der Streik im Vereinsheim des örtlichen Fußballclubs.
- Dort wurden Schichtpläne für die Streikposten an die Wand geheftet, Thermoskannen wurden gefüllt, und jeden Abend wurde abgestimmt.
- Zwei Tage später wurde eine Einigung verkündet.
Common mistake
Forgetting werden after a modal verb.
Das Auto muss repariert.
Das Auto muss repariert werden.
Konjunktiv I (indirect speech)
Konjunktiv I is used to report what someone else said, mostly in the news and in formal writing. It shows that you are only passing on the words, not confirming them. The common forms are for er/sie/es: stem + -e (er habe, sie komme, er könne, sie werde), and sein becomes sei. If a form looks the same as the normal present, use Konjunktiv II instead: Sie sagen, sie hätten keine Zeit.
er / sie / es: stem + -e (habe, komme, könne, werde) · sein → sei
From the story
- In einer Pressemitteilung hieß es, das Personal sei seit Jahren unterbezahlt, die Dienstpläne würden ständig kurzfristig geändert, und viele Kollegen seien schlicht erschöpft.
- Man verstehe den Ärger, erklärte Geschäftsführer Bernd Hollmann, doch für höhere Löhne fehle das Geld.
- Hollmann habe selbst darauf bestanden, behauptete Ilić.
Common mistake
In news or formal writing, using the normal present instead of Konjunktiv I.
Der Minister sagte, er ist krank.
Der Minister sagte, er sei krank.
Words from this story
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