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Morgenlese · Nr. 60B2Culture4 min

Der Streit um das Denkmal

In this story
  • – Read a short story about culture
  • – Learn 8 words
  • – Practice Konjunktiv I (indirect speech)
  • – Practice Genitiv (genitive case)

veröffentlichen, verdienen, heftig, das Gutachten, der Ausweg, die Mehrheit, fordern, vorschlagen

Tap any word you don't know.

Seit über hundert Jahren steht auf dem Marktplatz von Altenbrück die Statue des Fabrikanten Heinrich Lorenz. Er ließ das Krankenhaus und die erste Schule der Stadt bauen. In seinen Fabriken arbeiteten aber auch Kinder, manche nicht älter als zehn Jahre. Seit ein Historiker diese Tatsache im Frühjahr veröffentlicht hat, wird in der Stadt heftig gestritten.

Eine Initiative junger Eltern fordert, die Statue zu entfernen. Ein Mann, der Kinder ausgebeutet habe, verdiene keinen Ehrenplatz im Zentrum der Stadt, erklärte ihre Sprecherin. Der Vorsitzende des Heimatvereins hält dagegen. Man dürfe die Geschichte nicht einfach wegräumen, sagte er. Lorenz sei ein Kind seiner Zeit gewesen, und ohne ihn gäbe es Altenbrück in seiner heutigen Form gar nicht.

Wochenlang wurde im Stadtrat diskutiert. Ein Gutachten der Universität kam zu dem Schluss, beide Seiten hätten recht. Die Lokalzeitung druckte jeden Tag neue Leserbriefe. Ein Leser schrieb, er habe die Statue fünfzig Jahre lang nicht bemerkt und finde sie erst jetzt hässlich.

Den Ausweg fand schließlich eine Schülerin der achten Klasse. Bei der Bürgerversammlung schlug sie vor, die Statue stehen zu lassen, aber daneben eine zweite aufzustellen: ein Mädchen an einer Webmaschine, genauso groß wie Lorenz selbst. Wer das eine Denkmal sehe, solle auch das andere sehen, sagte sie. Erst dann sei die Geschichte vollständig.

Der Vorschlag wurde mit großer Mehrheit angenommen. Bezahlt wird die zweite Statue übrigens zum Teil von der Firma Lorenz, die es bis heute gibt. Ein Sprecher des Unternehmens erklärte, man sehe darin eine Chance. Böse Zungen behaupten, man sehe darin vor allem gute Werbung.


Grammar from this story

Konjunktiv I (indirect speech)

Konjunktiv I is used to report what someone else said, mostly in the news and in formal writing. It shows that you are only passing on the words, not confirming them. The common forms are for er/sie/es: stem + -e (er habe, sie komme, er könne, sie werde), and sein becomes sei. If a form looks the same as the normal present, use Konjunktiv II instead: Sie sagen, sie hätten keine Zeit.

er / sie / es: stem + -e (habe, komme, könne, werde) · sein → sei

From the story

  • Ein Mann, der Kinder ausgebeutet habe, verdiene keinen Ehrenplatz im Zentrum der Stadt, erklärte ihre Sprecherin.
  • Lorenz sei ein Kind seiner Zeit gewesen, und ohne ihn gäbe es Altenbrück in seiner heutigen Form gar nicht.
  • Wer das eine Denkmal sehe, solle auch das andere sehen, sagte sie.

Common mistake

In news or formal writing, using the normal present instead of Konjunktiv I.

Der Minister sagte, er ist krank.

Der Minister sagte, er sei krank.

Genitiv (genitive case)

The Genitiv shows who something belongs to: das Auto des Lehrers, die Farbe der Wand. Masculine and neuter use des (eines), and the noun gets -s or -es; feminine and plural use der. It also follows prepositions like wegen, trotz, and während. In everyday speech, people often use von + dative instead.

masc. / neut.: des + noun-(e)s · fem. / plural: der + noun · wegen / trotz / während + genitive

From the story

  • Seit über hundert Jahren steht auf dem Marktplatz von Altenbrück die Statue des Fabrikanten Heinrich Lorenz.
  • Eine Initiative junger Eltern fordert, die Statue zu entfernen.
  • Ein Sprecher des Unternehmens erklärte, man sehe darin eine Chance.

Common mistake

Forgetting the -s on masculine and neuter nouns.

Das ist das Auto des Lehrer.

Das ist das Auto des Lehrers.

Words from this story

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