Stories

Morgenlese · Nr. 76B2Culture4 min

Die Ausstellung, die niemand verstand

In this story
  • – Read a short story about culture
  • – Learn 7 words
  • – Practice Passiv (passive voice)
  • – Practice Konjunktiv I (indirect speech)

bemerken, offenbar, ratlos, die Frechheit, die Verwirrung, verreißen, gelassen

Tap any word you don't know.

Die Ausstellung „Leere Räume“ wurde im März in der Städtischen Galerie eröffnet, und schon nach einer Woche wurde sie von allen Seiten verrissen. Gezeigt wurden drei leere Säle, ein Eimer mit Wasser und eine Leiter, die an einer weißen Wand lehnte. Mehr nicht. Die Besucher gingen ratlos durch die Räume und flüsterten, als wären sie in einer Kirche.

Harald Brenner, der gefürchtetste Kritiker der Stadt, schrieb in der Zeitung, die Ausstellung sei eine Frechheit. Man zeige dem Publikum drei Säle voller Nichts, und dafür werde auch noch das Geld der Steuerzahler ausgegeben. Die Künstlerin Ilinca Popescu blieb gelassen. In einem Interview erklärte sie, die Verwirrung des Publikums sei das eigentliche Werk. Wer nichts verstehe, habe schon alles verstanden.

An einem Montagmorgen, bevor die Galerie geöffnet wurde, kam wie immer Frau Demir zum Putzen. Sie sah den Eimer und die Leiter und dachte, die Handwerker hätten wieder einmal alles stehen lassen. Also leerte sie den Eimer, trug die Leiter in den Keller und stellte ihren Putzwagen mitten in den Saal. Dann rief ihre Schwester an. Das Gespräch dauerte länger als geplant, und um zehn Uhr wurden die Türen geöffnet.

Am Mittag war der Saal so voll wie nie. Der Putzwagen mit dem gelben Schwamm und dem halb vollen Müllsack wurde von allen Seiten fotografiert. Brenner schrieb am nächsten Tag, endlich sei hier etwas Ehrliches zu sehen: die Arbeit, die sonst niemand bemerke. Dieses Werk müsse unbedingt von der Stadt angekauft werden.

Ilinca Popescu wurde gefragt, ob der Wagen von Anfang an geplant gewesen sei. Sie lächelte nur. Frau Demir putzt inzwischen mit einem neuen Wagen, denn der alte steht jetzt unter Glas. Auf dem Schild daneben wird sie als Mitautorin genannt. Verstanden hat sie die Ausstellung bis heute nicht. Aber das, sagt sie, sei ja offenbar der Sinn der Sache.


Grammar from this story

Passiv (passive voice)

The passive focuses on the action, not on who does it: Das Haus wird gebaut. It is built with werden in position 2 and the Partizip II at the end. In the past, use wurde: Das Haus wurde 1990 gebaut. With modal verbs, the end becomes Partizip II + werden: Das muss repariert werden.

werden / wurde (position 2) … Partizip II (end) · modal … Partizip II + werden

From the story

  • Gezeigt wurden drei leere Säle, ein Eimer mit Wasser und eine Leiter, die an einer weißen Wand lehnte.
  • Der Putzwagen mit dem gelben Schwamm und dem halb vollen Müllsack wurde von allen Seiten fotografiert.
  • Auf dem Schild daneben wird sie als Mitautorin genannt.

Common mistake

Forgetting werden after a modal verb.

Das Auto muss repariert.

Das Auto muss repariert werden.

Konjunktiv I (indirect speech)

Konjunktiv I is used to report what someone else said, mostly in the news and in formal writing. It shows that you are only passing on the words, not confirming them. The common forms are for er/sie/es: stem + -e (er habe, sie komme, er könne, sie werde), and sein becomes sei. If a form looks the same as the normal present, use Konjunktiv II instead: Sie sagen, sie hätten keine Zeit.

er / sie / es: stem + -e (habe, komme, könne, werde) · sein → sei

From the story

  • Man zeige dem Publikum drei Säle voller Nichts, und dafür werde auch noch das Geld der Steuerzahler ausgegeben.
  • In einem Interview erklärte sie, die Verwirrung des Publikums sei das eigentliche Werk.
  • Dieses Werk müsse unbedingt von der Stadt angekauft werden.

Common mistake

In news or formal writing, using the normal present instead of Konjunktiv I.

Der Minister sagte, er ist krank.

Der Minister sagte, er sei krank.

Words from this story

Ready for a quick check?

7 questions about the story, its words and grammar.