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Morgenlese · Nr. 128B2Technology4 min

Die smarte Stadt

In this story
  • – Read a short story about technology
  • – Learn 7 words
  • – Practice Passiv (passive voice)
  • – Practice Konjunktiv I (indirect speech)

vermuten, irren, einschalten, die Privatsphäre, verletzen, überzeugt, überwiegend

Tap any word you don't know.

Im März wurden in Oberwiesen über zweihundert Sensoren installiert: an Laternen, in Mülltonnen und unter dem Pflaster der Hauptstraße. Das Städtchen war für ein Pilotprojekt ausgewählt worden und sollte zeigen, wie eine smarte Stadt funktioniert. Gemessen wurde fast alles: Verkehr, Lärm, Müll und die Zahl der Fußgänger.

Bürgermeisterin Aydın erklärte bei der Bürgerversammlung, die Daten seien völlig anonym. Kein Sensor erkenne Gesichter, es würden nur Bewegungen gezählt. Niemand müsse sich Sorgen machen. Überzeugt waren nicht alle. Herr Novak, ein pensionierter Lehrer, meinte, in einem Ort mit dreitausend Einwohnern sei gar nichts anonym. Eine Friseurin wollte wissen, ob die Laterne vor ihrem Haus künftig auch wisse, wann ihr Mann nach Hause komme.

Die ersten Ergebnisse wurden im Juni vorgestellt, und sie waren überwiegend langweilig. Die Mülltonnen am Bahnhof wurden zu selten geleert, auf der Hauptstraße wurde zu schnell gefahren. Nur eine Zahl passte nicht ins Bild: In der Mühlgasse, einer schmalen Sackgasse ohne Geschäfte, wurden jede Nacht zwischen zwei und drei Uhr Dutzende Bewegungen registriert.

Im Rathaus wurde sofort spekuliert. Der Leiter des Ordnungsamts vermutete Drogenhandel, und die Polizei wurde eingeschaltet. Drei Nächte lang saßen zwei Beamte in einem dunklen Auto am Ende der Gasse. In der dritten Nacht sahen sie endlich die Täter: eine Igelfamilie, die unter dem Sensor durch ein Loch im Zaun zum Friedhof spazierte.

Seitdem ist die Mühlgasse nachts für Autos gesperrt, und ein kleines Schild warnt vor Igeln. Die Lokalzeitung zitierte Herrn Novak mit einem Satz, auf den er bis heute stolz ist: Er habe sich geirrt, die Daten seien tatsächlich anonym. Der einzige Bewohner, dessen Privatsphäre verletzt worden sei, habe Stacheln.


Grammar from this story

Passiv (passive voice)

The passive focuses on the action, not on who does it: Das Haus wird gebaut. It is built with werden in position 2 and the Partizip II at the end. In the past, use wurde: Das Haus wurde 1990 gebaut. With modal verbs, the end becomes Partizip II + werden: Das muss repariert werden.

werden / wurde (position 2) … Partizip II (end) · modal … Partizip II + werden

From the story

  • Im Rathaus wurde sofort spekuliert.
  • Der Leiter des Ordnungsamts vermutete Drogenhandel, und die Polizei wurde eingeschaltet.
  • Die ersten Ergebnisse wurden im Juni vorgestellt, und sie waren überwiegend langweilig.

Common mistake

Forgetting werden after a modal verb.

Das Auto muss repariert.

Das Auto muss repariert werden.

Konjunktiv I (indirect speech)

Konjunktiv I is used to report what someone else said, mostly in the news and in formal writing. It shows that you are only passing on the words, not confirming them. The common forms are for er/sie/es: stem + -e (er habe, sie komme, er könne, sie werde), and sein becomes sei. If a form looks the same as the normal present, use Konjunktiv II instead: Sie sagen, sie hätten keine Zeit.

er / sie / es: stem + -e (habe, komme, könne, werde) · sein → sei

From the story

  • Bürgermeisterin Aydın erklärte bei der Bürgerversammlung, die Daten seien völlig anonym.
  • Kein Sensor erkenne Gesichter, es würden nur Bewegungen gezählt.
  • Der einzige Bewohner, dessen Privatsphäre verletzt worden sei, habe Stacheln.

Common mistake

In news or formal writing, using the normal present instead of Konjunktiv I.

Der Minister sagte, er ist krank.

Der Minister sagte, er sei krank.

Words from this story

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