Morgenlese · Nr. 132B2Travel4 min
Die Sprachreise
Foto: AlisaDyson / Pixabay
In this story
- – Read a short story about travel
- – Learn 6 words
- – Practice Genitiv (genitive case)
- – Practice Konjunktiv II (would, could)
die Laune, empfangen, abfragen, verschwenderisch, einwandfrei, enttäuschend
Tap any word you don't know.
Mit achtundsechzig Jahren meldete sich Rui Almeida, pensionierter Brückeningenieur aus Porto, für einen Monat an einer Sprachschule in Freiburg an. Seine Kinder hielten das für eine Laune des Alters. Rui selbst hatte einen einfachen Grund: Er hatte vierzig Jahre lang Brücken nach deutschen Normen gebaut, ohne ein einziges Wort davon zu verstehen.
Familie Albrecht empfing ihn, als wäre er ein lange verschollener Onkel. Frau Albrecht kochte jeden Abend so, als hinge der Ruf der ganzen Familie davon ab, und die achtjährige Tochter Leni korrigierte seine Artikel mit der Strenge einer Schuldirektorin. Rui wohnte im Zimmer des ältesten Sohnes, der in Kanada studierte, zwischen Fußballpokalen und alten Konzertpostern.
Im Unterricht kämpfte er vor allem mit dem Konjunktiv. Dass eine Sprache für Dinge, die nie passiert sind, eine eigene Verbform besitzt, fand er zunächst verschwenderisch. „Ein Ingenieur rechnet mit dem, was ist“, erklärte er seiner Lehrerin, Frau Szabó. „Hätte ich mit dem gerechnet, was sein könnte, stünde heute keine meiner Brücken.“ Frau Szabó lächelte nur. Der Satz war grammatisch einwandfrei.
Abends übte er am Küchentisch, und Leni fragte ihn ab. „Was würdest du machen, wenn du ein Vogel wärst?“ Rui dachte lange nach. „Ich würde über alle Brücken fliegen und prüfen, ob sie halten.“ Leni fand diese Antwort enttäuschend.
Am Ende des Monats stand in der Abschlussprüfung eine letzte Aufgabe: „Was würden Sie tun, wenn Sie noch einmal jung wären?“ Rui schrieb lange nichts. Er dachte an Baustellen, an Normen, an Jahrzehnte voller Termine. Dann schrieb er einen einzigen Satz: „Genau das, was ich gerade tue.“ Erst auf dem Rückweg durch die Altstadt merkte er, dass er es ernst gemeint hatte.
Grammar from this story
Genitiv (genitive case)
The Genitiv shows who something belongs to: das Auto des Lehrers, die Farbe der Wand. Masculine and neuter use des (eines), and the noun gets -s or -es; feminine and plural use der. It also follows prepositions like wegen, trotz, and während. In everyday speech, people often use von + dative instead.
masc. / neut.: des + noun-(e)s · fem. / plural: der + noun · wegen / trotz / während + genitive
From the story
- Seine Kinder hielten das für eine Laune des Alters.
- Rui wohnte im Zimmer des ältesten Sohnes, der in Kanada studierte, zwischen Fußballpokalen und alten Konzertpostern.
Common mistake
Forgetting the -s on masculine and neuter nouns.
Das ist das Auto des Lehrer.
Das ist das Auto des Lehrers.
Konjunktiv II (would, could)
Konjunktiv II is used for wishes, polite requests, and things that are not real. Most verbs use würde + infinitive at the end: Ich würde gern reisen. The verbs sein, haben, and modal verbs have their own forms: wäre, hätte, könnte, müsste. Typical examples: Wenn ich Zeit hätte, … / Könnten Sie mir helfen?
würde (position 2) … infinitive (end) · wäre / hätte / könnte
From the story
- Familie Albrecht empfing ihn, als wäre er ein lange verschollener Onkel.
- „Hätte ich mit dem gerechnet, was sein könnte, stünde heute keine meiner Brücken.“
- „Ich würde über alle Brücken fliegen und prüfen, ob sie halten.“
Common mistake
Forgetting the umlaut, which turns it into the past tense.
Ich hatte gern einen Kaffee.
Ich hätte gern einen Kaffee.
Words from this story
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