Morgenlese · Nr. 156B2Travel4 min
Neuanfang in Graz
Foto: juergen-polle / Pixabay
In this story
- – Read a short story about travel
- – Learn 6 words
- – Practice Konjunktiv II (would, could)
- – Practice Relativsatz (relative clause)
überlegen, der Abschied, vermieten, stattdessen, ebenfalls, verlangen
Tap any word you don't know.
Als Nikola im Oktober von Novi Sad nach Graz zog, hatte er einen Arbeitsvertrag, zwei Koffer und ein Deutsch, das er vor allem aus Fernsehserien kannte. Die Stelle in einem Ingenieurbüro, das Brücken plant, war ein Traum. Der Weg dorthin war es nicht.
Für ein Bankkonto brauchte er einen Meldezettel, für den Meldezettel eine Wohnung, und für die Wohnung verlangte jeder Vermieter ein Bankkonto. Eine Beamtin, die sehr freundlich und völlig unbeweglich war, erklärte ihm dreimal dasselbe Formular. „Wenn Sie eine Adresse hätten, könnte ich Ihnen sofort helfen“, sagte sie. Nikola hätte gelacht, wenn er nicht so müde gewesen wäre.
Gerettet wurde er von Frau Hofbauer, einer pensionierten Lehrerin, die im Erdgeschoss ihres alten Hauses wohnte und oben eine kleine Wohnung vermietete. Sie fragte nicht nach Konten. Stattdessen stellte sie ihm einen Teller Kürbissuppe hin und wollte wissen, ob es in Serbien auch Kürbiskernöl gebe.
Aus dem Mietvertrag wurde bald eine Freundschaft. Jeden Sonntag korrigierte Frau Hofbauer, die vierzig Jahre lang Deutsch unterrichtet hatte, seine E-Mails an das Büro. Dafür reparierte Nikola alles, was in ihrem Haus quietschte oder tropfte. Sie lernte von ihm, wie man Ajvar macht, und er lernte von ihr, dass man in Graz zum Abschied nicht „Tschüss“ sagt, sondern „Servus“.
Ein Jahr später rief ihn ein Freund aus Belgrad an, der ebenfalls nach Österreich ziehen wollte, und fragte, was er heute anders machen würde. Nikola überlegte lange. „Ich würde früher Deutsch lernen und jedes Dokument dreimal kopieren“, sagte er. „Aber an deiner Stelle würde ich zuerst eine Vermieterin suchen, die Kürbissuppe kocht. Alles andere ergibt sich dann.“
Grammar from this story
Konjunktiv II (would, could)
Konjunktiv II is used for wishes, polite requests, and things that are not real. Most verbs use würde + infinitive at the end: Ich würde gern reisen. The verbs sein, haben, and modal verbs have their own forms: wäre, hätte, könnte, müsste. Typical examples: Wenn ich Zeit hätte, … / Könnten Sie mir helfen?
würde (position 2) … infinitive (end) · wäre / hätte / könnte
From the story
- „Wenn Sie eine Adresse hätten, könnte ich Ihnen sofort helfen“, sagte sie.
- Nikola hätte gelacht, wenn er nicht so müde gewesen wäre.
- Aber an deiner Stelle würde ich zuerst eine Vermieterin suchen, die Kürbissuppe kocht.
Common mistake
Forgetting the umlaut, which turns it into the past tense.
Ich hatte gern einen Kaffee.
Ich hätte gern einen Kaffee.
Relativsatz (relative clause)
A relative clause tells you more about a noun: Das ist der Mann, der neben mir wohnt. The relative pronoun (der, die, das, plural die) has the gender and number of that noun, but its case depends on its role in the relative clause. The conjugated verb goes to the end, and a comma separates the clauses.
noun, der / die / das (den, dem, denen …) … verb (end)
From the story
- Die Stelle in einem Ingenieurbüro, das Brücken plant, war ein Traum.
- Eine Beamtin, die sehr freundlich und völlig unbeweglich war, erklärte ihm dreimal dasselbe Formular.
- Dafür reparierte Nikola alles, was in ihrem Haus quietschte oder tropfte.
Common mistake
Choosing the case from the main clause instead of the relative clause.
Der Mann, der ich gesehen habe, ist Arzt.
Der Mann, den ich gesehen habe, ist Arzt.
Words from this story
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